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Puchheim
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Siedlungsgeschichte
Erste Siedlungsspuren reichen in die Römerzeit zurück, aus der eine Villa rustica sowie Münzfunde um 15 v. Chr. belegt sind. Die urkundliche Ersterwähnung findet sich in Freisinger Kirchenurkunden zwischen 948-957 als Puohheim. 1494 wird der Verkauf eines Burgstalls von Puchheim an das Kloster Fürstenfeld erwähnt. Das Gebiet des heutigen Puchheim Bahnhof war über die Jahrhunderte ein landwirtschaftlich kaum genutztes Niedermoor. Den Puchheimern diente diese Gegend lediglich als Fluchtort in Krisenzeiten. So vor allem in den Kriegsjahren 1808/09 des fünften Koalitionskriegs, als französische Truppen die Region plünderten. Erst ab 1840 wurde das Moor zunehmend für den Torfstich genutzt. In den 1870er Jahren begannen die umliegenden Bauern, Grünland zu gewinnen und Ackerland zu kultivieren. Gleichzeitig entstanden die ersten ständigen Niederlassungen durch so genannte Kolonisten.
Hausmüllverwertung 1898-1949
1869/70 entstand die Bahnlinie nach Memmingen. Eine erste Haltestelle für Vorortzüge wurde 1896 eingerichtet. Der 1899 begonnene Ausbau des Bahnhofs führte am 1. Mai 1900 zur vollen Ernennung für Güterverkehr und Ganzbetrieb. Die Bahnlinie war der entscheidende Wachstumsfaktor für den Ortsteil Puchheim Bahnhof. Bereits 1898 entstand mit der Hausmüllverwertung München GmbH einer der allerersten Industriebetriebe im Landkreis. Für Teile der rund 200 Arbeiter wurden auch Unterkünfte erstellt.
Flugplatz 1910-1914
Neben der Hausmüllfabrik prägte vor allem das Flugfeld Puchheim die Geschichte des Ortes zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Als erster Flugplatz Bayerns wurde er am 22. Mai 1910 von der Münchner "Academie der Aviatik" eingeweiht. Zuvor hatte der Verein für rund 60.000 Reichsmark 38 ha Mooswiesengelände im Gebiet zwischen der heutigen Lager-, Birken- und Alpenstraße aufgekauft. Insgesamt wurden ca. 700.000 Reichsmark investiert, unter anderem für eine 4 km lange Betonmauer um das Gelände, eine 80 m lange hölzerne Startbahn und ein für 3.000 Personen berechnetes Hallenrestaurant. Zur Bahnlinie wurde ein eigener Anschluss gelegt, um die Menschenmassen bewältigen zu können. Zu den Flugtagen kamen bis zu 20.000 Besucher und mehr. Vor allem die Vorführungen des französischen Kunstfliegers Adolphe Pégoud, der 1913 erstmals Loopings und Sturzflüge zeigte, waren wahre Publikumsmagneten. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde das Flugfeld aufgegeben und im November 1915 von der Academie verkauft. Militärisch wurde es nicht genutzt.
Kriegsgefangenenlager 1914-1920
Bereits im Oktober 1914 internierte man auf dem Gelände des ehemaligen Flugfeldes die ersten Kriegsgefangenen. Zwischen 700 und 850 Franzosen wurden in den Hangars einquartiert. Der Ausbau zum regulären Kriegsgefangenlagers erfolgte sehr rasch. Schon im Folgejahr war Puchheim nach Grafenwöhr das zweitgrößte Lager in Bayern. Bis 1917 wurden insgesamt 40 Baracken sowie verschiedene Wirtschaftsgebäude errichtet. Am 21. August 1917 verzeichneten die Listen der Lagerleitung 16.141 Gefangene aus Frankreich, Russland, Italien und England. Die allermeisten wurden als Arbeitskräfte außerhalb des Lagers abgestellt. Im Puchheimer Gebiet legten sie mehrere Gräben an, um das Moor zu entwässern. Auch der heute noch vorhandene Mühlstetter Graben ist so entstanden. Darüber hinaus wurden die Gefangenen als Bergarbeiter bei Penzberg, beim Bau einer Acetonfabrik der Wacker-Chemie GmbH sowie in der Landwirtschaft eingesetzt. Zum Zeitpunkt des Waffenstillstands von 1918 war das Lager mit 24.764 Gefangenen (davon 14.072 Russen und 10.692 Franzosen) sowie einer 3.800 Mann starken Wachmannschaft deutlich überbelegt. Die Auflösung des Lagers erfolgte erst mit der Rückführung der letzten Gefangenen 1920. Zwischen 1915 und 1919 starben insgesamt 585 Gefangene; die meisten davon an der Spanischen Grippe von 1918. Während französische Verstorbene nach dem Krieg in ihre Heimat überführt wurden, verblieben 321 Russen auf dem so genannten Russenfriedhof in der Lagerstraße.
Verwaltungsgeschichte Auch wenn 1442 einmalig ein Dorfgericht erwähnt wird, bildete Puchheim nie eine unabhängige Hofmark. Bis 1852 unterstand der Ort der Starnberger Gerichtsbarkeit. Im Rahmen der administrativen Neugliederung des neugeschaffenen Königreichs Bayern wurde Puchheim 1808 dem Steuerdistrikt Germering zugeschlagen. Mit einer eigenen Pfarrei und rund 250 Einwohnern erfüllte der Ort die Voraussetzungen des zweiten bayerischen Gemeindeedikts von 1818, um als Ruralgemeinde (erweiterte Selbstverwaltungsrechte, Gemeindeversammlung aus allen stimmberechtigten Bürgern) geführt zu werden. 1952 werden einige Gemeindeteile von Puchheim Bahnhof an die neugegründete Gemeinde Gröbenzell abgetreten.
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